Existenzgründung - Marketing - Unternehmensnachfolge

Informationen für den Gründer

Franchising als Gründungsform

Wer als Existenzgründer das "Rad nicht neu erfinden möchte", kann auch durch die Übernahme eines in der Praxis bewährten Geschäftsmodells eine Existenz aufbauen. Ein solches Vorgehen wird als Franchising bezeichnet. Der Gründer (= Franchise-Nehmer) erwirbt vom Franchise-Geber eine Lizenz für dessen Geschäftsmodell. Der Franchise- Nehmer (Gründer) setzt dieses Modell an einem bestimmten Standort um. Er ist rechtlich selbstständig und zahlt dem Franchise-Geber für die Übernahme seines Geschäftsmodells eine Lizenzgebühr.

Beispiele

  • die Fastfoodkette McDonalds 
  • die Baumarktkette OBI 
  • die Hotelkette ACCOR 
  • der Nachhilfeservice Schülerhilfe und die 
  • TUI ReiseCenter.

Der Deutsche Franchise-Verband definiert Franchising wie folgt: "Franchising ist ein auf Partnerschaft basierendes Vertriebssystem mit dem Ziel der Verkaufsförderung. Dabei räumt das Unternehmen, das als so genannter Franchise-Geber auftritt, meist mehreren Partnern (Franchise-Nehmern) das Recht ein, mit seinen Produkten oder Dienstleistungen unter seinem Namen ein Geschäft zu betreiben."

Vorteile des Franchisings

Franchising bietet sowohl für den Franchise-Geber als auch für den Franchise-Nehmer (Gründer) unterschiedlichste Chancen und Risiken. Ein Existenzgründer sollte sich dessen bewusst sein und vor einer Entscheidung genau prüfen, ob die Gründung im Rahmen eines Franchise-Systems für ihn sinnvoll ist oder nicht. Die im Folgenden aufgelisteten Kriterien können bei dieser Entscheidung hilfreich sein.

  • Sicherheit: Die Gründung im Rahmen eines erprobten und am Markt bekannten Franchise-Systems bietet eine gewisse Sicherheit. Franchise-Gründungen gehen laut einer Studie des Internationalen Centrums für Franchising und Cooperation wesentlich seltener pleite als der Durchschnitt. Eine Studie der KfW-Mittelstandsbank hat ergeben, dass nach fünf Jahren noch rund 90 % der Franchise-Nehmer-Gründungen am Markt sind. Der Vergleichswert bei den anderen Gründungen lag im selben Zeitraum nur bei ca. 50 %.  • Betreuung Ein Vorteil der Franchise-Gründung liegt auch in der Unterstützung durch den Franchise- Geber. Der Gründer bzw. Franchise-Nehmer wird im Idealfall schon vor, während und nach der Gründung durch den Franchise-Geber betreut. Dies kann insbesondere Personen ohne Managementerfahrung die Gründung erleichtern. Beispiel: Die Betreuung des Franchise-Gründers kann in unterschiedlichster Form erfolgen. Gängig sind z. B. Schulungen, Übernahme des Marketings durch den Franchise- Geber, Beratung in betriebswirtschaftlichen Fragen, Unterstützung bei der Businessplanerstellung.
  • Bekanntheit der Marke: Existenzgründer, die im Rahmen eines Franchise-Systems gründen, müssen Ihr Unternehmen bzw. Angebot nicht erst mühsam am Markt bekannt machen. Denn in der Regel ist die Marke bzw. der Name des Franchise-Gebers, unter der der Gründer agiert, ja schon am Markt platziert und einem breiten Publikum bekannt.
  • Gebietsschutz: In der Regel wird dem Franchise-Nehmer vertraglich garantiert, dass in seiner näheren Umgebung keine weitere Franchise-Lizenz des selben Franchise-Gebers vergeben wird. Dies schützt zwar vor hauseigener Konkurrenz, bietet aber keinen generellen Schutz vor Konkurrenz.
  • Synergie- und Skalen-Effekte: Durch die zentrale Abwicklung bestimmter unternehmerischer Aufgaben (z. B. beim Marketing, Einkauf) im Franchise-Verbund können z. T. deutliche Kostenvorteile generiert werden.
  • Konzeptentwicklung: Die Weiterentwicklung des Franchise-Konzeptes wird dem Gründer in der Regel durch den Franchise-Geber abgenommen. Er kann sich daher auf sein Kerngeschäft bzw. den Kunden konzentrieren.
  • Networking: Ein weiterer Vorteil des Franchisings kann aus der Zusammenarbeit (Networking) und einem regelmäßigen Gedankenaustausch mit anderen Franchise-Nehmern des Franchise-Systems resultieren.


Mögliche Nachteile für den Gründer (Franchise-Nehmer)

  • Vorgaben durch den Franchise-Geber: Franchise-Gründer werden in der Regel verpflichtet, sich an bestimmte Vorgaben des Franchise-Gebers (z. B. im Marketing, Einkauf) zu halten. Dadurch ist die unternehmerische Freiheit eines Franchise-Nehmers eingeschränkt. 
  • Einschätzung/Bewertung eines Franchise-Systems: Für den angehenden Existenzgründer ist es häufig nicht einfach, ein Franchise-System richtig einzuschätzen. Während der Franchise-Geber, der mit seiner Marke in der Regel schon einige Jahre am Markt ist, das Franchise-System genau einzuschätzen weiß, kann der potentielle Franchise-Nehmer seine speziellen Marktchancen mit diesem System nur schwer einschätzen. Abhilfe kann hier ggf. die Befragung anderer Franchise-Nehmer des favorisierten Systems geben.
  • Einstiegskosten und laufende Gebühren: Gründer, die sich für ein Franchise-System entscheiden, müssen für die Lizenzen z.T. nicht unerhebliche Beträge zahlen. In der Praxis werden neben einer einmaligen Eintrittsgebühr auch weitere laufende Gebühren fällig. 
  • Beendigung des Franchising: Wird das Franchise-Verhältnis beendet, darf der ehemalige Franchise-Nehmer nicht mehr unter dem Namen und Logo des Franchise-Systems auftreten. Er muss dann ggf. unter neuem Namen mühsam eine eigene Unternehmensidentität aufbauen.
  • Image-Abhängigkeit: Franchise-Nehmer werden vom Kunden i.d.R. nicht als selbstständige Unternehmen sondern als Niederlassung einer Unternehmensgruppe gesehen. Gerät das Image der Gruppe, z. B. durch schlechte Schlagzeilen eines Mitglieds des Franchise-Systems ins Wanken, so hat dies Auswirkungen auf alle Franchise-Nehmer.
  • Abnahmezwang: Häufig wird Franchise-Nehmern die Abnahme bestimmter Waren sowie Warenkontingente vorgeschrieben.

Der Franchise-Vertrag

Einleitung Ein Franchise-Vertrag kann in Deutschland mangels gesetzlicher Regelungen grundsätzlich nur individuell abgeschlossen werden. Er regelt alle Rechte und Pflichten der Systempartner und berührt mehrere Rechtsbereiche (u. a. Zivilrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Wettbewerbsrecht, gewerblicher Rechtsschutz etc.) und Vertragsarten (u. a. Kaufvertrag - § 433 BGB, Pachtvertrag - § 581 BGB oder Geschäftsbesorgungsvertrag - § 675 BGB). Unter den Juristen wird der Franchise-Vertrag deshalb auch als sog. Typenkombinationsvertrag bezeichnet.

Das richtige Franchise-System finden 

Einen Franchise-Partner zu finden ist nicht schwierig. Franchise-Systeme werden im Internet in diversen Franchise-Portalen angeboten und auch in regelmäßig aktualisierten Franchise-Katalogen können Interessenten einen möglichen Franchise-Geber finden. Darüber hinaus präsentieren sich viele Franchise-Geber auf Franchise- bzw. Gründermessen. Hier können Interessierte Gründer sich die Franchise-Systeme auch persönlich erläutern lassen. 

Relevante Vorschriften: § 433 BGB, § 581 BGB, § 675 BGB, § 305 ff. BGB

Sie finden uns am Untenende 36 in 26817 Rhauderfehn. Unsere Öffnungszeiten sind täglich von 9.00 bis 12.30 Uhr und von 14.00 bis 17.30 Uhr sowie nach Vereinbarung. Einen Termin können Sie telefonisch unter 04952 8909844 vereinbaren, ebenso per Mail oder über unser Kontaktformular. Wir freuen uns über Ihre Nachricht!